• Tobias Dünkel

Wie es sich anfühlt, wenn dein System beginnt, sich selbst zu regulieren



Unser Nervensystem hat die großartige Fähigkeit aus einem dysregulierten Zustand, zurück in die Balance zu kommen. Wir können so Zustände der Überregung, Unterregung sowie den Einfluss innerer und äußerer Reize (Trigger) regulieren. Diese Fähigkeit bezeichnet man als Selbstregulation. Sie ermöglicht uns die Erfahrung von Selbstwirksamkeit und Selbstbestimmtheit, indem wir die Intensität innere Zustände modulieren. Diese Kraft ist in jedem von uns angelegt und kann sogar nachgelernt werden. Doch wie erkenne ich, ob die Selbstregulation funktioniert? Wie fühlt sich Selbstregulation an?


Wenn Klient*innen das erste Mal zu einer Behandlung kommen, passiert häufig etwas sehr Eindrucksvolles: Bevor ich mit meinen Händen in Kontakt mit deren Körper und dem Craniosacralen-Rhythmus gehe, verbinde ich mich erstmal mit mir und finde einen „guten Ort“ bei mir selbst. Von diesem sicheren Ausgangspunkt öffne ich das gemeinsame Feld für die liegende Person und mich. In diesem Moment kommen die regulativen Kräfte im System meiner Klient*innen an die Oberfläche und zeigen sich z.B. über intensive Augenbewegungen, Zuckungen oder Zittern an Armen und Beinen, abfließende Tränen, oder energetischen Wellen, die durch den Körper laufen. Was passiert hier?


Es fühlt sich für mich so an, als ob unsere zwei (Nerven-)systeme Verbindung aufnehmen und kommunizieren. Das System der liegenden Person spürt dabei, dass hier und jetzt genügend Raum und Sicherheit ist, bisher gehaltene, unterdrückte und unverarbeitet Ladung sicher zu entlassen. Die regulierenden Kräfte übernehmen und finden ihren ganz eigenen Weg, um das bisher gehaltene zu entladen – je nach Intensität verlangsame ich diesen Prozess z.B. mit begleitenden Worten. Diesen Prozess kann man auch als Co-Regulation bezeichnen, also die Regulation mit Hilfe einer anderen Person.


Die regulativen Kräfte in unserem Körper können sich in sehr unterschiedlich Form zeigen z.B. als:


  • Unkontrollierte Augenbewegungen (bei geschlossenen Augen) wie in der REM-Schlaf-Phase

  • Zuckungen oder Zittern an den Extremitäten oder am ganzen Körper

  • Spontane Bewegungen und Unwinding

  • Gähnen oder Seufzen

  • Veränderung des Atemrhythmus, z.B. tiefer Atemzug

  • Energetische Wellen, die sich z.B. als Wärme oder Kribbeln über den Körper ausbreiten

  • Tränen, die abfließen

  • Lachen

  • Gewebe, das weicher und spürbarer wird

  • Tiefe Entspannung


Wir haben gelernt viele dieser wertvollen und hilfreichen Körperreaktionen in unserem Alltag zu unterdrücken und unterbinden damit auch unsere regulativen Kräfte. Ich lade dich daher liebevoll ein, das nächste Mal dein Gähnen zu genießen, den tiefen Atemzug auszukosten, das Zittern zuzulassen und die Tränen fließen zu lassen – wohlwissend, dass du damit deine Selbstregulation unterstützt, die dich zurück in die Balance bringt.


Ich bin gespannt – kennst du einige dieser Körperreaktionen?

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