• Tobias Dünkel

Wie Augenbewegungen helfen Stress und Trauma zu verarbeiten - inkl. EMDR-Selbsthilfeübung




Kannst du dir vorstellen, dass nur über die Bewegung deiner Augen stressbehaftete Erlebnisse verarbeitet werden und du danach eine deutliche Erleichterung spürst? Für mich war das undenkbar, bis ich es selbst erlebt habe. Ich spreche hier von EMDR. Diese Abkürzung steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing – also Desensibilisierung und Informationsverarbeitung mittels Augenbewegung.

Die amerikanische Psychologin Francine Shapiro erhielt Anfang ihrer dreißiger Jahre eine Krebsdiagnose. Der damit verbundene Stress war enorm. Eines Tages lief sie durch den Park, als das Gegenlicht der Sonne ihre Augen zu bestimmten Bewegungen anregte. Dabei stellte sie fest, dass nach diesen Augenbewegungen die starke Belastung und der enorme Stress nahezu verschwunden waren. Sie war überrascht und widmete ihre Forschungen diesem Phänomen. Ihr Bemühungen mündeten schließlich in einem eigenständigen Verfahren - dem EMDR.

Man geht davon aus, dass unverarbeitete, belastete Ereignisse als defragmentierte, also bruchstückhafte Inhalte, ungeordnete an verschiedenen Stellen im Gehirn abgelegt werden. Diese einzelnen Inhalte sind zumeist mit hoher emotionaler Ladung und Stress verbunden und können durch kleinste Reize, die an die Ursprungssituation erinnern, nach oben kommen.

Im EMDR wird der/die Klient*in behutsam angeregt, den innerlichen Stress wahrzunehmen. Daraufhin erfolgt die Stimulation der Augenbewegung, indem der Klient den Fingerbewegungen des Anleiters folgt. Die hierdurch entstehenden bilateralen Augenbewegungen hast du vielleicht schon mal in der REM-Schlafphase gesehen.

Durch diesen Prozess geschieht eine intensive Stimulierung der rechten und linken Gehirnhälfte und das Nervensystem wird angeregt, den Stress und die damit verbundenen Inhalte zu verarbeiten. Das Erlebte kann so neu vernetzt und integriert werden.

Meine Klient*innen berichten mir, dass dieser Prozess durchaus intensiv ist, aber am Ende eine spürbaren Entlastung und Erleichterung eintritt. In der Folge können sich auch die aus dem Ereignis entstandenen Glaubenssätze, Vermeidungsverhalten oder Überkompensationsmechanismen lösen.

Das war viel Theorie. Lust es selbst zu spüren? Einen kleinen Vorgeschmack wie das funktioniert, habe ich dir in diesem Video zur Selbsthilfe zusammengestellt. Ich bin neugierig, wie du die Übung findest?




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